Bewerbungsfoto im Lebenslauf: Ja oder nein?
The CVera Team · · 8 Min. Lesezeit
Kaum eine Frage zur Bewerbung wird so oft gestellt wie diese: Gehört ein Foto in den Lebenslauf? Die kurze Antwort für Deutschland, Österreich und die Schweiz lautet: Es ist üblich, aber nicht verpflichtend. Die längere Antwort hängt von Branche, Unternehmen und Zielland ab. Dieser Ratgeber erklärt die Rechtslage in groben Zügen, zeigt, was ein gutes Bewerbungsfoto ausmacht, und hilft Ihnen bei der Entscheidung, ob Sie eines verwenden.
Ist ein Foto in Deutschland noch Pflicht?
Nein. Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Jahr 2006 dürfen Arbeitgeber Bewerberinnen und Bewerber nicht wegen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion oder Behinderung benachteiligen. Weil ein Foto Rückschlüsse auf einige dieser Merkmale zulässt, verlangen viele Unternehmen bewusst kein Foto mehr, und manche Stellenanzeigen bitten ausdrücklich darum, darauf zu verzichten. Ein fehlendes Foto darf Ihnen nicht als Mangel angelastet werden.
Trotzdem ist das Bewerbungsfoto in Deutschland weiterhin verbreitet. Viele Personalverantwortliche sind es gewohnt, und eine Bewerbung ohne Foto fällt in manchen Branchen noch auf – nicht negativ im rechtlichen Sinn, aber als Abweichung von der Gewohnheit. In Österreich und der Schweiz ist das Foto ebenfalls sehr üblich; auch dort entscheiden Sie selbst.
Dies ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Wenn Sie den Eindruck haben, im Bewerbungsverfahren benachteiligt worden zu sein, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle oder eine Fachanwältin.
Mit oder ohne Foto: eine Entscheidungshilfe
Ob ein Foto Ihre Bewerbung stärkt, hängt von der Situation ab. Diese Faustregeln helfen:
| Eher mit Foto | Eher ohne Foto |
|---|---|
| Klassische Unternehmen und Mittelstand in Deutschland, Österreich, Schweiz | Die Stellenanzeige bittet ausdrücklich um Bewerbungen ohne Foto |
| Berufe mit viel Kundenkontakt: Hotellerie, Gastronomie, Vertrieb, Empfang | Internationale Konzerne mit anonymisierten Verfahren |
| Sie haben ein professionelles, aktuelles Foto | Bewerbungen nach Großbritannien, Irland, in die USA oder nach Kanada |
| Das Unternehmen zeigt sein Team selbst offen auf der Karriereseite | Sie haben nur ein Urlaubs- oder Selfie-Foto |
Die wichtigste Regel: Kein Foto ist besser als ein schlechtes Foto. Ein unscharfes Handybild, ein ausgeschnittener Partyschnappschuss oder ein Foto von vor zehn Jahren schadet mehr, als ein fehlendes Foto je könnte.
Was ein gutes Bewerbungsfoto ausmacht
Ein gutes Bewerbungsfoto wirkt freundlich, kompetent und natürlich – so, wie Sie am ersten Arbeitstag aussehen würden. Darauf kommt es an:
- Aktualität: Das Foto sollte nicht älter als ein bis zwei Jahre sein und Ihrem heutigen Aussehen entsprechen.
- Ausschnitt: Kopf und Schultern, eventuell bis zur Brust. Sie schauen in die Kamera oder leicht seitlich.
- Ausdruck: Ein offenes, leichtes Lächeln. Ernst ist in Ordnung, verbissen nicht.
- Kleidung: Eine Stufe gepflegter als im Arbeitsalltag der Branche üblich. Für eine Bank Blazer oder Sakko, für eine Werkstatt oder ein Handwerksunternehmen genügt ein sauberes Hemd oder Poloshirt.
- Hintergrund: Ruhig und neutral – grau, weiß, ein heller Farbton oder ein unscharfer Innenraum.
- Licht und Qualität: Gleichmäßig ausgeleuchtet, scharf, in guter Auflösung, aber mit vernünftiger Dateigröße.
Fotograf oder Smartphone?
Ein Fotostudio, das auf Bewerbungsfotos spezialisiert ist, liefert in der Regel das sicherste Ergebnis, und Sie bekommen meist mehrere Varianten zur Auswahl. Ein modernes Smartphone kann aber ebenfalls gute Fotos machen, wenn die Bedingungen stimmen: Tageslicht von vorne, neutraler Hintergrund, Porträtmodus, eine zweite Person, die fotografiert, statt eines Selfies mit verzerrtem Gesicht. Machen Sie viele Aufnahmen und lassen Sie sich bei der Auswahl beraten.
Typische Fehler
- Automatenfoto oder Passbild mit starrer Mimik
- Ausgeschnittene Freizeitfotos mit Sonnenbrille, Party- oder Urlaubskulisse
- Starke Filter oder Bearbeitung, die Sie kaum wiedererkennbar machen
- Schwarz-Weiß-Fotos mit künstlerischem Anspruch in konservativen Branchen
Wo das Foto im Lebenslauf hingehört
Früher wurde das Foto auf das Deckblatt oder oben rechts in den Lebenslauf geklebt. Heute wird es digital eingefügt, üblicherweise oben rechts oder in der Kopfzeile neben dem Namen, alternativ auf einem Deckblatt. Ein Format von etwa 4 × 5 bis 5 × 7 Zentimetern im Dokument ist üblich; kreisrunde Ausschnitte sind in modernen Layouts ebenfalls verbreitet.
Viele Lebenslauf-Vorlagen von CVera haben einen festen Platz für das Foto, den Sie einfach leer lassen können – das Layout bleibt dann trotzdem stimmig. So können Sie dieselbe Vorlage für Bewerbungen mit und ohne Foto nutzen.
Ein Hinweis für Online-Bewerbungen: Ein Foto beeinflusst nicht, ob ein Bewerbermanagementsystem Ihren Text lesen kann. Achten Sie aber darauf, dass Name und Kontaktdaten als echter Text neben dem Foto stehen und nicht Teil einer Grafik sind. Mehr dazu im Ratgeber ATS-Lebenslauf.
Branchen und Berufe im Vergleich
Die Erwartungen unterscheiden sich spürbar:
- Hotellerie, Gastronomie, Empfang, Einzelhandel: Persönliches Auftreten zählt im Alltag, das Foto ist hier sehr üblich. Beispiele: das Muster für Rezeptionisten und für Servicekräfte.
- Öffentlicher Dienst: Oft wird ausdrücklich auf Fotos verzichtet, um das Verfahren neutral zu halten. Lesen Sie die Ausschreibung genau.
- IT, Forschung, internationale Konzerne: Fotos sind optional und werden zunehmend weggelassen, vor allem bei englischsprachigen Bewerbungen.
- Handwerk, Logistik, Pflege: Fotos sind üblich, aber für die Entscheidung selten ausschlaggebend. Qualifikationen, Führerscheine und Zertifikate zählen mehr.
Bewerbungsfoto in anderen Ländern Europas
Wer sich im Ausland bewirbt, sollte die dortigen Gewohnheiten kennen. Als grobe Orientierung:
| Land | Übliche Praxis |
|---|---|
| Deutschland, Österreich, Schweiz | Üblich, aber freiwillig |
| Großbritannien, Irland | In der Regel kein Foto |
| Niederlande, skandinavische Länder | Optional, häufig ohne Foto |
| Frankreich, Belgien | Optional, Tendenz zu weniger Fotos |
| Italien, Spanien, Polen, Rumänien, Ungarn | Häufig mit Foto, aber nicht verpflichtend |
Im Zweifel orientieren Sie sich an der Stellenanzeige und an der Sprache der Bewerbung: Eine englischsprachige Bewerbung an ein internationales Unternehmen kommt meist ohne Foto aus, eine deutschsprachige an einen Mittelständler in Bayern eher mit.
Häufige Fragen zum Bewerbungsfoto
Darf ein Arbeitgeber ein Foto verlangen?
Eine Stellenanzeige darf Sie um ein Foto bitten, aber eine Bewerbung ohne Foto darf nicht allein deshalb abgelehnt werden. In der Praxis steht in Anzeigen oft „vollständige Bewerbungsunterlagen“ – damit ist kein Foto zwingend gemeint. Wenn Sie unsicher sind und das Unternehmen klassisch wirkt, ist ein gutes Foto die unkompliziertere Wahl. Wenn Sie aus persönlichen Gründen lieber keines senden, ist das Ihr gutes Recht, und Sie müssen es nicht begründen.
Ich fühle mich auf Fotos nie wohl – was tun?
Das geht vielen so. Ein guter Fotograf nimmt sich Zeit, lockert die Situation auf und macht Dutzende Aufnahmen. Hilfreich ist es, an etwas Angenehmes zu denken, leicht auszuatmen und die Schultern zu entspannen, statt krampfhaft zu lächeln. Bitten Sie eine vertraute Person, mit Ihnen das beste Bild auszuwählen: Wir selbst beurteilen unsere Fotos oft strenger als andere.
Brille, Bart, Tattoos, Kopftuch?
Zeigen Sie sich so, wie Sie auch zur Arbeit kommen würden. Wer im Alltag eine Brille trägt, trägt sie auch auf dem Foto, idealerweise ohne Spiegelungen. Ein gepflegter Bart ist kein Problem. Religiöse Kleidung wie ein Kopftuch ist Teil Ihrer Person; das AGG schützt Sie vor Benachteiligung wegen Ihrer Religion. Sichtbare Tattoos müssen Sie nicht verstecken, ein ruhiger Bildausschnitt lenkt den Blick aber ohnehin auf das Gesicht.
Kann ich mein LinkedIn- oder Xing-Foto verwenden?
Ja, wenn es den Kriterien eines Bewerbungsfotos entspricht: professionell, aktuell, neutraler Hintergrund. Ein einheitliches Foto in Lebenslauf und Netzwerkprofil hat sogar den Vorteil, dass Personalverantwortliche Sie sofort wiedererkennen. Ein lockeres Profilbild aus dem Biergarten taugt dagegen weder für das eine noch für das andere.
Welche Datei und welche Auflösung brauche ich?
Lassen Sie sich vom Fotografen eine digitale Datei im JPG-Format geben, idealerweise in hoher Auflösung und zusätzlich in einer kleineren Version für Online-Bewerbungen. Im Lebenslauf sollte das Foto scharf wirken, ohne dass das fertige PDF unnötig groß wird. Schneiden Sie das Bild so zu, dass über dem Kopf etwas Luft bleibt und das Gesicht ungefähr die obere Bildhälfte füllt. Verwenden Sie für alle Bewerbungen einer Phase dasselbe Foto, damit Ihre Unterlagen einheitlich wirken.
Gehört das Foto auch ins Anschreiben?
Nein. Ein Foto pro Bewerbung genügt – im Lebenslauf oder auf dem Deckblatt. Im Anschreiben würde es den knappen Platz für Ihre Argumente verschwenden. Wie Sie das Anschreiben aufbauen, erfahren Sie im Ratgeber Anschreiben für die Bewerbung.
Mache ich mich mit einem Bewerbungsfoto angreifbar?
Ein Foto gibt Informationen preis, die mit Ihrer Qualifikation nichts zu tun haben. Genau deshalb verzichten manche Bewerberinnen und Bewerber bewusst darauf, etwa um Vorurteilen wegen Alter oder Herkunft keine Angriffsfläche zu bieten. Beide Entscheidungen sind legitim. Wichtig ist, dass der Rest Ihrer Bewerbung so stark ist, dass das Foto keine Rolle spielt.
Fazit
- Ein Foto ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz üblich, aber gesetzlich nicht verlangt.
- Bittet die Anzeige um Bewerbungen ohne Foto, halten Sie sich daran.
- Wenn Foto, dann aktuell, professionell und passend zur Branche.
- Kein Foto ist besser als ein schlechtes.
- Für Bewerbungen ins englischsprachige Ausland lassen Sie das Foto weg.
Was außer dem Foto in die persönlichen Daten gehört und wie der Rest des Lebenslaufs aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Lebenslauf schreiben. Formfragen wie Länge und Layout beantwortet der Ratgeber Lebenslauf: Aufbau und Format.