Anschreiben für die Bewerbung: Aufbau, Tipps, Beispiel
The CVera Team · · 8 Min. Lesezeit
Das Anschreiben – auch Bewerbungsschreiben, in der Schweiz oft Motivationsschreiben genannt – ist der Teil der Bewerbung, an dem die meisten am längsten sitzen. Zugleich ist es der Teil, der am häufigsten nur überflogen wird. Daraus folgt eine einfache Regel: Ein gutes Anschreiben ist kurz, konkret und auf genau diese Stelle zugeschnitten. Dieser Ratgeber erklärt Aufbau und Form, zeigt, wie Sie Floskeln vermeiden, und schließt mit einem kurzen Beispiel.
Brauche ich überhaupt noch ein Anschreiben?
Immer mehr Unternehmen verzichten bei Online-Bewerbungen auf ein Anschreiben oder machen es optional. Andere – gerade Mittelstand, öffentlicher Dienst und Ausbildungsbetriebe – erwarten es weiterhin. Die Faustregel:
- Verlangt die Anzeige ein Anschreiben oder „vollständige Bewerbungsunterlagen“: Schreiben Sie eines.
- Ist es optional: Schreiben Sie eines, wenn Sie etwas erklären möchten, das der Lebenslauf nicht zeigt – einen Branchenwechsel, einen Umzug, eine Rückkehr nach einer Pause, Ihre besondere Motivation.
- Gibt es kein Feld dafür: Lassen Sie es weg oder nutzen Sie ein Freitextfeld für eine kurze Version.
Die Form: Aufbau nach DIN 5008
In Deutschland orientieren sich Geschäftsbriefe an der Norm DIN 5008. Für das Anschreiben bedeutet das eine klare, vertraute Struktur:
- Absender: Ihr Name, Anschrift, Telefon, E-Mail – oben, oft rechts oder als Briefkopf.
- Empfänger: Unternehmen, Ansprechperson, Anschrift.
- Ort und Datum: rechtsbündig, z. B. „Leipzig, 21. Oktober 2026“.
- Betreff: fett, ohne das Wort „Betreff“: „Bewerbung als Industriekauffrau – Kennziffer 2026-114“.
- Anrede: „Sehr geehrte Frau Krüger,“ oder „Sehr geehrter Herr Yilmaz,“.
- Einleitung, Hauptteil, Schluss
- Grußformel: „Mit freundlichen Grüßen“ – ohne Komma danach.
- Unterschrift und getippter Name, darunter optional der Hinweis „Anlagen“.
Länge: höchstens eine Seite. Eine Seite mit vier, fünf Absätzen und genug Weißraum liest sich deutlich besser als eine eng beschriebene. In Österreich und der Schweiz ist der Aufbau sehr ähnlich; in der Schweiz wird das ß durch „ss“ ersetzt, also „Mit freundlichen Grüssen“.
Ein einheitliches Erscheinungsbild von Anschreiben und Lebenslauf – gleiche Schrift, gleicher Briefkopf – wirkt professionell. Passende Designs finden Sie unter den Anschreiben-Vorlagen, abgestimmt auf die Lebenslauf-Vorlagen.
Die richtige Ansprechperson
Eine namentliche Anrede wirkt persönlicher als „Sehr geehrte Damen und Herren“. Steht in der Anzeige ein Name, verwenden Sie ihn – korrekt geschrieben, mit Titel, falls angegeben („Sehr geehrte Frau Dr. Lehmann“). Steht keiner dort, lohnt sich ein Blick auf die Karriereseite oder ein kurzer Anruf. Ist niemand zu finden, ist „Sehr geehrte Damen und Herren“ weiterhin korrekt. Manche Unternehmen sprechen in Anzeigen bewusst per Du an; Sie können sich dann am Ton anpassen, eine sachliche Sie-Form ist aber nie falsch.
Die Einleitung: ohne „hiermit bewerbe ich mich“
Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. „Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als …“ ist korrekt, aber überflüssig – dass es eine Bewerbung ist, steht schon im Betreff. Besser ist ein Einstieg, der sofort einen Bezug zwischen Ihnen und der Stelle herstellt.
| Floskel | Stärkerer Einstieg |
|---|---|
| Hiermit bewerbe ich mich auf Ihre Stellenanzeige auf StepStone. | Seit sechs Jahren sorge ich als Disponentin dafür, dass Lieferungen pünktlich ankommen – diese Erfahrung möchte ich in Ihrem neuen Logistikzentrum in Erfurt einbringen. |
| Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen. | Ihre Ankündigung, die Fertigung auf Elektromobilität umzustellen, hat mich sofort angesprochen: Genau mit solchen Umstellungen habe ich in den letzten drei Jahren gearbeitet. |
| Ich bin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. | Nach meinem Abschluss als Erzieherin möchte ich in einer Kita mit Schwerpunkt Sprachförderung arbeiten – wie bei Ihnen im Familienzentrum Nordstadt. |
Hatten Sie vorab ein Telefonat oder einen Kontakt auf einer Messe, gehört das in den ersten Satz: „Vielen Dank für das freundliche Telefonat am Dienstag …“
Der Hauptteil: Belege statt Behauptungen
Im Hauptteil beantworten Sie zwei Fragen: Warum passen Sie zur Stelle? Und warum passt die Stelle zu Ihnen? Konzentrieren Sie sich auf zwei bis drei Anforderungen aus der Anzeige und belegen Sie jede mit einem konkreten Beispiel aus Ihrem Werdegang.
- Nicht: „Ich bin kommunikationsstark und arbeite gerne im Team.“
- Sondern: „Im Kundenservice eines Energieversorgers habe ich täglich rund 50 Anfragen am Telefon und per E-Mail bearbeitet und war Ansprechpartnerin für schwierige Reklamationen im Team.“
Wiederholen Sie dabei nicht einfach Ihren Lebenslauf. Das Anschreiben erklärt Zusammenhänge, die der Lebenslauf nur auflistet: warum Sie gewechselt haben, was Sie an der Aufgabe reizt, was Sie aus einer Station mitnehmen. Ein Absatz zum Unternehmen zeigt, dass Sie sich informiert haben – aber bitte konkret, nicht „Ihr Unternehmen ist Marktführer“.
Gute Belege setzen voraus, dass Sie Ihre eigenen Stärken kennen. Wie Sie Fach- und persönliche Kompetenzen greifbar machen, zeigt der Ratgeber Kenntnisse und Fähigkeiten im Lebenslauf.
Der Schluss: Eintrittstermin, Gehalt, Gesprächswunsch
Der Schlussabsatz ist kurz und erfüllt zwei Aufgaben. Erstens beantwortet er Fragen aus der Anzeige: Wann können Sie anfangen? Welche Gehaltsvorstellung haben Sie? Zweitens drückt er den Wunsch nach einem Gespräch aus – selbstbewusst, aber ohne Konjunktiv-Kaskaden.
- Eintrittstermin: „Ich kann die Stelle unter Berücksichtigung meiner Kündigungsfrist von drei Monaten zum 1. Februar 2027 antreten.“
- Gehalt: Nur wenn gefragt. Nennen Sie dann ein Bruttojahresgehalt, gerne als Spanne: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 52.000 bis 56.000 Euro brutto im Jahr.“
- Gesprächswunsch: „Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.“ statt „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich eventuell zu einem Gespräch einladen würden.“
Ein kurzes Beispiel
So kann ein kompaktes Anschreiben für eine Stelle im Kundenservice aussehen (Hauptteil ohne Briefkopf):
Bewerbung als Kundenberaterin im Service-Center – Referenz KS-2026-07
Sehr geehrte Frau Hoffmann,
seit vier Jahren bin ich die erste Stimme der Stadtwerke Rheinfeld am Telefon. Kundinnen und Kunden mit Fragen zu Abschlägen, Umzügen oder Tarifwechseln bekommen bei mir eine Lösung, nicht nur eine Weiterleitung. Diese Erfahrung möchte ich in Ihrem Service-Center einbringen, das gerade den Bereich Elektromobilität aufbaut.
In meiner aktuellen Position bearbeite ich täglich rund 50 Anfragen am Telefon, per E-Mail und im Chat. Ich arbeite sicher mit SAP IS-U und unserem Ticketsystem und betreue im Team die Eskalationsfälle. Im vergangenen Jahr habe ich zwei neue Kolleginnen eingearbeitet und dafür einen Leitfaden für häufige Rückfragen erstellt, den das Team bis heute nutzt.
Besonders reizt mich an Ihrer Stelle, Kundinnen und Kunden beim Umstieg auf Wallboxen und Ladetarife zu beraten. Ich lade selbst seit zwei Jahren elektrisch und kenne die typischen Fragen aus eigener Erfahrung.
Ich kann die Stelle nach einer Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Quartalsende antreten. Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.
Mit freundlichen Grüßen
Laura Becker
Das Beispiel hat rund 200 Wörter, einen konkreten Einstieg, zwei belegte Stärken, einen Bezug zum Unternehmen und einen klaren Schluss. Einen passenden Lebenslauf dazu zeigt das Muster für Kundenservice-Mitarbeiter.
Die häufigsten Fehler
- Massenanschreiben: Ein Text für alle Bewerbungen ist sofort erkennbar – erst recht, wenn noch der Name eines anderen Unternehmens darin steht.
- Zu lang: Mehr als eine Seite wird selten gelesen.
- Ich-Ich-Ich: Wenn jeder Satz mit „Ich“ beginnt, wirkt der Text monoton. Variieren Sie den Satzbau.
- Unterwürfiger Ton: „Ich würde mich freuen, wenn Sie mir vielleicht die Chance geben könnten“ – sachlich und selbstbewusst ist besser.
- Negatives über frühere Arbeitgeber: Nennen Sie Ihre Motivation für den Wechsel positiv: Was suchen Sie, statt wovor Sie fliehen.
- Tippfehler im Namen: Prüfen Sie Unternehmensname und Ansprechperson besonders sorgfältig.
Sonderfälle
Ausbildung und Berufseinstieg
Ohne Berufserfahrung stützen Sie Ihre Argumente auf Praktika, Nebenjobs, Schulprojekte und Interessen. Erklären Sie, warum Sie sich für diesen Beruf entschieden haben – ehrlich und konkret. Weitere Ideen liefert der Ratgeber Lebenslauf ohne Berufserfahrung.
Initiativbewerbung
Ohne Stellenanzeige muss das Anschreiben noch mehr leisten: Erklären Sie, welche Aufgabe Sie im Unternehmen übernehmen könnten und warum gerade dieses Unternehmen. Eine konkrete Ansprechperson ist hier besonders wichtig.
E-Mail-Bewerbung
Bei einer Bewerbung per E-Mail gehört das eigentliche Anschreiben als PDF in den Anhang, zusammen mit Lebenslauf und Zeugnissen. Der Text der E-Mail selbst bleibt kurz: Anrede, ein bis zwei Sätze zur Stelle, Hinweis auf die Anlagen, Grußformel und Ihre Kontaktdaten. Der Betreff der E-Mail entspricht dem Betreff des Anschreibens. Senden Sie von einer seriösen Adresse und prüfen Sie vor dem Absenden, ob alle Anhänge dabei sind und sich öffnen lassen.
Rückkehr nach einer Pause
Nach Elternzeit, Pflege oder Krankheit kann ein Satz im Anschreiben die Pause einordnen und den Blick nach vorne richten. Mehr dazu im Ratgeber Lücken im Lebenslauf.
Checkliste vor dem Absenden
- Höchstens eine Seite, Aufbau nach DIN 5008
- Betreff mit Stellenbezeichnung und gegebenenfalls Kennziffer
- Namentliche Anrede, korrekt geschrieben
- Einstieg ohne Floskel, Bezug zur Stelle im ersten Absatz
- Zwei bis drei Anforderungen mit konkreten Beispielen belegt
- Eintrittstermin und Gehaltsvorstellung, wenn verlangt
- Gleiches Design wie der Lebenslauf, als PDF gespeichert
- Von einer zweiten Person korrekturgelesen
Das Anschreiben macht neugierig, der Lebenslauf liefert die Fakten. Wie Sie beides stimmig zusammenbringen, zeigt der Ratgeber Lebenslauf schreiben.